Gestaltet man für die Werbung, wurde man zumindest schon einmal mit der Preisoptik konfrontiert. Viele unterschiedliche Varianten beglücken uns täglich in Prospekten, TV-Spots oder Plakaten. Manche Preisoptiken sind sogar so einprägsam, dass sie ohne Unternehmenslogo identifiziert werden können. Bestes Beispiel hierfür ist MediaMarkt, der aufgrund seiner Dominanz in der Werbung die Preise gut lernen und wieder erkennen lässt.
Bedeutend für die Preisoptik sind nicht nur die vielen Outlines um die Ziffern herum, sondern auch wie der Rest hinter dem Euro-Preis gestaltet ist.
Große Preise – kleine Preise
Große Preise besitzen meist keine Stellen hinter dem Dezimaltrennzeichen, da sie sonst viel zu wuchtig und groß aussehen würden. Der Preis 1399,95 € besitzt mehr Ziffern und sieht somit natürlich optisch nach mehr aus, als 1399 €. Kleine Preise wiederum sind bekannt für die anscheinend »knapp« kalkulierte Ware: 9,99 € geht somit lieber an den Kunden, als 10 €.

Da in der »grafischen« Preisoptik kaum noch das Eurozeichen verwendet wird, kommt nach dem Dezimaltrennzeichen der Halbgeviertstrich zum Einsatz – denn eine alleinstehende 10 würde ja nicht als Preis erkannt werden. Dieser Halbgeviertstrich ersetzt die zwei eigentlichen Nullen: aus 10,00 wird somit 10,– und wirkt deutlich »günstiger« als die Version mit der Doppelnull. Die Umkehrvariante mit einem Nuller-Euro ist jedoch seit langer Zeit nicht mehr gebräuchlich. Was früher mit –,99 DM gekennzeichnet wurde, wird heute eher mit 0,99 € bestückt. Die Ähnlichkeit mit einem vollen Eurowert wäre zu hoch.
Zwischen den Werten: Punkt oder Komma?

Wie sich die Ziffern vor und hinter dem Dezimaltrennzeichen stellen ist nun durchleuchtet. Doch wie sieht es dazwischen aus? Bewusst wählte ich bis an dieser Stelle das Wort »(Dezimal)trennzeichen«, da die Anbieter entweder zum Dezimalpunkt oder Dezimalkomma greifen. Aus mathematischer Sicht wäre die Komma-Variante die bessere und logischere Variante, denn ein Trennpunkt lässt höhere Werte nicht mehr gliedern: Somit wären 12.999,– € bei Verwendung des Dezimalpunkts nicht möglich (12.999.–). Das würde ja sonst eher nach einem Tankstellenpreis erinnern.
Interessanterweise unterscheiden sich die Meinungen bei der Punkt- oder Kommafrage vor allem Schwester-, Tochter- oder Partnerunternehmen: Aldi Süd freundelt eher mit dem Komma, wobei Aldi Nord den Punkt als schönere Lösung empfand. Media Markt hielt ebenso den Punkt für die eigene Preisoptik harmonischer, gegensätzlich die Schwester Saturn das Komma für die eigenen Preise nutzt. Ein höheres »für« oder »gegen« Punkt und Komma gibt es nicht wirklich, wenn man einen Blick in die Prospekte aus dem Briefkasten schaut.
Komma im Preis: Aldi Süd, toom Baumarkt, H&M, OTTO, GRAVIS, Thalia, OBI, McDonalds, Subway Sandwiches, Saturn, T-Com, Vodafone, kik Textil-Diskont, real
Punkt im Preis: Aldi Nord, REWE, Penny Markt, Netto Marken-Discount, toom Markt, Kaufland, IKEA, Media Markt, O2, Weltbild
Ohne alles kommt übrigens Burger King, Adler Mode oder Charles Vögele (optional mit Punkt) aus. Hier nutzt man einfach nur das Hochstellungsverfahren und geht jeglicher Punkt- oder Komma-Diskussion aus dem Weg.
Ein kompakter Preis ist ein harmonischer Preis
Umso weniger zerrissen ein Preis gestaltet wird, umso angenehmer und günstiger wirkt er dadurch. Das ist auch der Grund, wieso Cent-Beträge hochgestellt und über das Komma oder den Punkt gesetzt werden. In diesem Moment der Harmonie kommt auch wieder die Frage auf, ob man sich für den Punkt oder das Komma entscheidet. Ein Punkt wirkt natürlich angenehmer, da er nicht über die Schriftlinie nach unten rutscht – aber ein Komma vielleicht gewohnter.

Wie bereits erwähnt wird die Doppelnull im Centbetrag meistens oder fast immer durch einen Querstrich ersetzt. Rein typografisch korrekt wäre hier der Halbgeviertstrich – in Tabellen auch der Geviertstrich. Doch dieser ist einfach viel zu wenig kompakt und lässt zu viel Weißraum im hinteren Teil der Preisoptik entstehen. Das ist der Grund, weshalb Gestalter auf die kürzere Variante (Minuszeichen) zurückgreifen. Zusätzlich noch leicht über Komma oder Punkt schieben und fertig ist das »Meisterwerk«. Das Unternehmen real,- hat es sogar geschafft, seinen eigenen Namen in die Preisoptik zu übertragen: Logo und Preisoptik sind fast identisch und werden somit erkannt und mit dem »Kaufladen« in Verbindung gebracht. In diesem Fall war auch das Komma die bessere Lösung, um als Preis im Logo identifiziert zu werden.
