Es ist wohl momentan die größte Diskussion zwischen Typografen: Braucht Deutschland (und Österreich) ein großgeschriebenes Eszett?
Der Artikel vergangene Artikel über das Versal-Eszett hat eine richtige Diskussion zwischen Leser und Ralf Hermann ausgelöst. Scheinbar sträuben sich viele an den Gedanken bald ein Versal-Eszett zur Verfügung zu haben. typolution stellt somit nun die Frage: »Braucht und will Deutschland ein Versal-Eszett?«.
Was für ein Ja spricht: Die Umlaute im Alphabet haben ebenfalls eine Großbuchstaben-Variante. Wieso also nicht auch das Eszett, das momentan nur in der Kleinschreibe-Form existiert. Aufgrund dem Fehlen werden zudem aus Eigennamen andere Namen (aus Weiß wird WEISS), zusätzlich hilft es nicht mehr bei der Aussprache (da aus Buße und Busse immer ein BUSSE wird) und das Fehlen vom Versal-Eszett macht auch kein Halt vor der Rechtschreibung (aus Straße wird STRASSE).
Was für ein Nein spricht: Es würde Jahre dauern bis sich das neue Zeichen etabliert hat. Es muss gelernt werden. Zudem müssten alle vorhanden Schriften nachbearbeitet werden. Jedoch muss man sich eingestehen, dass die ähnliche Situation bei der Einführung des Euro-Zeichens reibungslos funktioniert hat.
Stimmt ab! [Aufgrund von einem technischen Problem muss leider nochmals abgestimmt werden. Jeder Besucher hat erneut eine Stimme]
Braucht Deutschland ein Versal-Eszett?







Ja, die Rechtschreibung …
Ich finde zwei der Argumente ungültig. Zum einen das Pro-Argument der Systematik, dass auch die Umlaute einen Großbuchstaben hätten. Zum anderen das Contra-Argument, dass es Jahre dauern würde, eine ẞ zu etablieren. Ersterem fehlt jeder Praxisbezug, mit letzterem gäbe es überhaupt keine Entwicklung mehr.
PS: Übrigens ist mein Nachname GROẞMANN (mit langem o), nicht GROSSMANN, was hier durch die Großschreibung entsteht.
@Gerhard
Ich hab es für dich geändert ;-)
Danke, Ben ☺ – jetzt müsste nur noch die Schrift passen. Aber das kommt schon noch. Irgendwann.
Was ich mich frage, aus welchen Gründen gibt es das bisher noch nicht? Liegt es daran, dass kein Wort mit einem Eszett beginnt?
Aus typografischen Gesichtspunkten hat das Großschreiben ja einen gewissen Hintergrund (Schreibmaschine?), grammatikalisch aber nicht.
Ja, auf jeden Fall! Beantwortet man die Umfrage via Newsfeed bekommt man übrigens eine “SP_DIRECT_ACCESS”-Meldung zurück.
Das Versal-Eszett ist sicher nicht umsonst in die Unicode-Tabelle gekommen. Es braucht schon fundierte Gründe, um dort ein Plätzchen zu bekommen. Die braucht Deutschland nicht mehr in Frage zu stellen.
überflüssssssssig! in der schweiz geht’s doch auch ohne. wir sehen uns in der otl-aicher-strasse!
…überflüssssssig finde ich’s nicht (wie Thommy), aber richtig brauchen tu ich’s auch nicht.
Dass kein Wort mit ß anfängt ist richtig, und zwar aus dem Grund, dass am Wortanfang keine Hilfe gebraucht wird, wie der vorangehende Vokal gesprochen wird (mangels vorangehendem Vokal, wenn’s mit ß anfängt).
Und alleine schon dafür hat das ß seine Berechtigung, als Hilfe zur Betonung des vorangehenden Vokals. Es ist schon einen Unterschied, ob man von Maßen oder Massen spricht.
Viel schlimmer finde ich die immer mehr gebräuchliche Versalschreibung. Wozu muss man einen Straßennahmen in Großbuchstaben schreiben, oder eine Überschrift, oder den Namen eines Kommentators im Forum? Es gibt doch genügend Alternativen zur Auszeichnung!
@tommy (#9), genau überflüssig. So wie das W zum Beispiel. Schreiben wir doch einfach VV. Und QU könnte man durch KVV (oder vereinfacht KV) ersetzen. Das V könnte auch das F ersetzen, Ä ginge auch als E und überhaupt. Ich schlage folgende Vereinfachung des Alphabets vor:
C → Z oder S (je nach Aussprache), CH → H, F → V, G → K, J → I, Q → KV, W → VV, X → KS, Y → I, Z → TS, Ä → E und natürlich ẞ → SS.
Ih vende, das vvere eine krosse Erleihterunk. VVir vvürden tsehn Buhstaben sparen und vvie man sieht, vunktioniert die Sprahe vveiterhin pervekt. Rihtik?
Oder sollte man das Tsiel noh vveitersteken: ’bsh’vv’nk d’r V’k’l’? ’n H’br’’sh kl’ppt d’a ’’h! VV’s w’r’ ’ns’r’ Spr’h’ pl’tsl’k ’vv’kt’v!
Und jetzt ohne Ironie/Sarkasmus: Es geht bei Sprache nicht nur um Effektivität, sondern auch um Verständlichkeit und Eindeutigkeit. Dafür sorgen Redundanzen und spezielle Buchstaben. Mit dem ẞ ist es möglich, in einigen Spezialfällen eine logische Eindeutigkeit zu erzielen. Eine phantastische neue Möglichkeit!
Nur weil du meinst, Tommy, kein großes ß zu benötigen, heißt das nicht, dass es keiner sonst gebrauchen kann. Ich verweise da auf meinen Personalausweis.
Ich brauche es (gerade) nicht. Hätte aber grundsätzlich gerne die Wahlfreiheit. Lieber zu viele typografische Möglichkeite, als zu wenige.
Ich befürworte das ẞ eigentlich weniger aus dem Grund, dass mich die Versal-SS-Schreibung stören würde…
Vielmehr nervt es mich, wie oft ich Wörter wie GROßFORMAT, FUßBALL, SCHLUßVERKAUF etc. lesen muss, wie zum Beispiel hier in meiner Nachbarschaft: http://www.carmenmauerer.de/GROBFORMAT.jpg
Da frage ich mich täglich, ob die neben Grobformat auch Feinformat drucken können…
http://kamelopedia.mormo.org/index.php/%E1%BA%9E
Wie, kein Wort fängt mit ß an? Und in was wird der Euro geteilt? Ja, eben: in ßent.
Außerdem gibt’s das ß-Magazin, in dem übrigens vor Jahren ein Buch über’s ß besprochen wurde, das vom Verlag schon zurückgezogen worden war.
Oder Szegediner Gulasch.
Oh, jetzt wird mir wieder eine Szene gemacht!
Wir stecken da wohl zwischen Szylla und Charybdis …
Große Diskussion? Dass ich nicht lache …
Anstatt die Schriftgestalter zu nötigen, das lateinische Alphabet mit formal unpassende Formen zu ergänzen, wäre besser und einfacher, dafür zu einzutreten, dass unsere Namen im Personalausweis, im Reisepass, auf Kreditkarten und Bankkarten die Namen nicht mehr in reine Großschreibung, sondern in gemischte Schreibweise dargestellt werden. Das würde uns allen helfen und so steht es auch seit Jahrzehnte in die DIN 1450 – Leserlichkeit von Schriften. Und unmöglich ist das nicht. Die Lesegeräte die angeblich nur Versalien lesen können sind seit der Konzipierung der Schrift OCR-B (also seit einige Jahrzehnte) Schnee von gestern. Behörden-Computer, Tastaturen und die Geräte die die Versalien in den Pässen und Karten prägen, beizubringen dass es ein Versal-ß gibt, dauert vermutlich viel länger …
Mein Name wird auf meine Bankkarte gemischt geschrieben. Geht doch!
Albert, wo Du recht hast, hast Du recht.
Als Ergänzung: Manche Ausweise werden übrigens in gemischter Schreibweise ausgestellt, Städte mit ß können das durchsetzen, nicht nur für den Stadtnamen.
Ich erlaube mir noch einmal die Verlinkung meines Screencasts zu dem Thema, in dem ausführlich erklärt wird, dass es um weit mehr geht, als nur um Namen in Personalausweisen – die sind nämlich nur ein einzelnes Symptom, nicht die Wurzel des Problems. Gemischt geschriebene Ausweise wären keine schlechte Idee, aber damit ist das Eszett-Problem noch lange nicht vom Tisch …
https://vimeo.com/29399053
Bevor wir ein Versal-Eszett bekommen, sollte man den Leuten erst mal beibringen, in gemischter Schreibweise das ß nicht wegzulassen. Dank der Rechtschreibreform hat sich in den Köpfen vieler festgesetzt, dass ß sei generell abgeschafft: weil “dass” nicht mehr mit ß geschrieben wird, übertragen viele diese Regel auf andere Wörter. Ständig liest man irgendwo Fussball oder Strasse…
Dafür bin ich schon, zum Beisiel wegen Familiennamen, aber die Lösung ist ganz schwierig. Vielleicht mit einer Unterlänge, werde das noch probieren.
Ich finde nicht nur das Versal ß überflüssig, sondern auch schon das normale ß. Damals bei der Rechtschreibreform hatte ich gehofft, das ß würde wegrationalisiert – war aber leider nicht so.
Warum schreiben wir das Esszett nicht einfach so wie es heißt? sz. Für den Sch-Laut oder den Ch-Laut und so weiter haben wir auch Buchstabenkombinationen. Warum muss das scharfe S seinen eigenen Buchstaben haben?
@Meisterleise: Weil es sich so entwickelt hat. Man braucht z.B. auch kein Q – Kwelle statt Quelle täte es auch. Umlaute sind sowieso auch durch ue/oe/ae darstellbar. Ist aber der minimal mögliche Satz von Buchstaben automatisch der beste?
Außerdem kann auch ein Rechtschreibrat nicht einfach so bestimmen, dass Besitzer von Eigennamen mit Eszett plötzlich von heute auf morgen ihre etablierte Schreibung aufgeben müssen. Ich weiß nicht wie du heißt, aber wie hättest du es gefunden, wenn 1996 dein Nachname »von oben« einfach mal so geändert worden wäre?
Das ß in Versal gibt es schon. Schauen Sie sich das ß von der Cholla an. Kompliment,
ich höre immer sz — weiß hier eigentlich irgendjemand von der Entstehung dieser Ligatur ?
ja, das ß ist eine Ligatur — ein zusammengewachsener Buchstabe aus den zwei Kleinbuchstaben “langes s” und dem sogenannten „Schluss-“ oder „Rund-s“.
die Bezeichnung sz entstand, da in den gebrochenen Schriften das Rund-s-Fragment im ß dem z sehr ähnlich ist.
Das ß sollte also schon aus diesem Grunde kein versalbuchstabe werden — finde ich.
unabhängig von historie, grammatik, sinnhaftigkeit oder notwendigkeit hat das versal-ß nun (leider) seinen platz im unicode. da dies nicht mehr weg diskutiert werden kann, stellt sich m.e. vielmehr die frage, wie das versale ß zu gestalten ist. die sich derzeit leider einschleichende form ist ästhetisch (bzgl. der konstruktiven konzeption) absolut mangelhaft, kann nicht als ›idee‹ für ein zeichen dienen, dass sich poblemlos in buchstabengefüge (wörter) einpasst. natürlich ist es immer aufgabe des schriftgestalters solche probleme zu lösen, aber die ›vorgaben‹ sind m.e. viel zu eng gedacht, lassn zu wenig spielraum: kurve links oben, diagonale rechts und noch eine rundung drunter…. ich denke bzgl. der grundform ist eine diskussion inkl gestalteter beiträge notwendig!
@Otto S:
»weiß hier eigentlich irgendjemand von der Entstehung dieser Ligatur ?«
Nur soviel eben bekannt ist. Tatsächlich liegen die genauen Zusammenhänge weiterhin im Dunkeln. Jene Theorie:
»ein zusammengewachsener Buchstabe aus den zwei Kleinbuchstaben “langes s” und dem sogenannten „Schluss-“ oder „Rund-s“.«
… wurde von Tschichold ohne jegliche Belege verbreitet. Mehr als eine Theorie ist es nicht.
»Das ß sollte also schon aus diesem Grunde kein versalbuchstabe werden — finde ich.«
Dann müssen wir aber auch die Versal-Umlaute gleich wieder abschaffen, die sind nämlich ebenfalls aus Kleinbuchstabenverbindungen entstanden und niemand beschwert sich darüber.
@schneider:
Sehe ich ähnlich – wenn es denn schon eine Versalform des ›scharfen s‹ geben soll (oder inzwischen vielleicht sogar geben muss, wegen der vollzogenen Unicode-Reservierung), müsste es wenigstens ästhetisch überzeugen. Und genau da liegt das Problem: Ich habe bisher nicht eine Version gesehen, die sich gut im Versalsatz integrieren würde (oder wenigstens als Zeichen an sich überzeugen würde). Sah alles aus wie eine krude “13-Ligatur” oder eine bunte Mischung aus zwar verbundenen aber recht ungerichteten Strichen.
Generell finde ich die Bereicherung des lebendigen Mediums Schrift gut – aber solange es keine überzeugenden Darstellungen des Zeichens gibt, werde ich es sicherlich nicht einsetzen! Ganz davon abgesehen, dass ich tatsächlich keine schlagenden Argumente für die Verwendung dieser Glyphe sehe (auch trotz der diversen Kommentare dafür – sorry!).
Laut Perso wohne ich in der PARKSTRAbE.