Category Archives: Autsch!

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Wie »sexy« sind eBooks?

Ziemlich lange habe ich mich gegen eBooks gesträubt. Der Grund: keine hochauflösenden Ausgabegeräte, unbeholfene Typografie und ein mangelndes Buch-Angebot. Wenn man in der Buchbranche »gelernt« und aufgewachsen ist, steht man diesem »Neuen« ziemlich skeptisch gegenüber: Kann ein eBook besser oder gleichwertig als ein gedrucktes Buch sein? Für mich bisher nicht: Die Haptik, der Geruch des Papiers, das Streichen über gedruckte Letter… All das konnte ich mir bisher nicht an einem Tablet-Screen vorstellen. Doch seit dem neuen iPad mit hochauflösendem Retina-Display wurde ich zum ersten Mal neugierig. Kann das eBook wirklich dem gedruckten Buch Stand halten? Ich probierte es aus.

 

Um diese elektronische Bücher unter meinem kritischen Blicken zu werfen, suchte ich mir ein paar Bücher-Leseproben im iBooks- und Amazons Kindle-Store aus. Warum es bei den Leseproben blieb? Dazu später mehr in meinem Fazit.

 

Generell bin ich ja offen für vieles Neues und freue mich schon auf die ersten Tests mit meinen neuen eBooks. Die Retina-Qualität merkte ich gleich beim anfänglichen Lesen: Fast so angenehm wie gedruckt! Die Helligkeit und der Papieruntergrund lässt sich zudem den eigenen Wünschen anpassen. Ebenso die Schriftgröße. Umso müder man wohl wird, umso höher muss wohl der Schriftgrad geschraubt werden. Wobei wir schon bei der ersten typografischen Laune von eBooks wären. Da die Satzoptik nicht – wie beim gedruckten Exemplar – fix ist, baut sich der Umbruch nach Wechseln von Schriftgröße oder Schriftart neu auf. Das bedeutet neue Trennungen, Löcher im Satz und Bildung von Hukis und Schusterjungen. Was im Druck absolut verpönt ist, wird komischerweise vom Verlag bei eBooks geduldet [1].

 

 

Nicht nur störende Hukis, sondern auch seltsame Satzbauten [2] können somit entstehen. Grundregel in gedruckten Büchern sind mindestens 5–6 Zeilen.

 

 

 

Beispiel-Buch: »iPad-Benutzerhandbuch«

Wie chaotisch es zugehen kann, zeigt witzigerweise das iPad-Handbuch selbst – eigens von Apple erstellt. »So schäbig können eBooks sein« – das möchte uns Apple wohl mit dem Vorführen des Benutzerhandbuchs beweisen: verpixelte Bilder mit gepixelten Bildbeschreibungen [3], unschöne Trennungen (»Ru-hezustand« oder »Tas-te«) und Überschriften die entweder am Absatz davor stehen [4] oder ganz in der Versenkung [5] verschwinden.

 

 

Sofern den Überschriften auch noch Blocksatz [6] zugewiesen wurde, passieren auch solche »Patzer« wie in diesem Beispiel. Die Headline »Batterie« [7] ist wohl noch auf der Suche nach ihrem Text, der sich wohl erst beim Umblättern zeigen wird.

 

 

 

Beispiel-Buch: »Feuchtgebiete«

Als großer Fan von Charlotte Roche darf wohl auch das Skandalbuch »Feuchtgebiete« nicht als Beispiel fehlen. Der Verlag DUMONT hatte die Möglichkeit in der gedruckten Version den Umschlag in einem knalligen Pink zu drucken, das einem quasi aus dem Bücherregal direkt ins Auge sprang. Doch beim eBook spürt man trotz RGB-Vorschau nichts von diesem Gefühl. Lieblos steht das Cover als »platziertes Bild« auf einer Doppelseite. Wieso gibt es hierfür keine Coverlösung?

 

 

 

Beispiel-Buch: »Schlank im Schlaf«

Ein Verlag revolutionierte vor einigen Jahren das Koch- und Ratgebersortiment der Bücher. Mit bunten, sympathischen und schön gestalteten Büchern schaffte es der bayrische Verlag GU (Gräfe und Unzer) in jeden Haushalt. Doch die eBook-Version vom Bestseller »Schlank im Schlaf« enttäuscht. Wo sind all die schönen Farben und Layouts hin? Verschwunden! Dafür gibt es missplatzierte Überschriften [8], seltsamer Schriftwechsel [9] und ein verlorenes Layoutbild [10], das in der gedruckten Version eine ganze Seite schmückte. Ratgeber mit schönen Layouts stoßen bei eBooks wohl auf die Grenzen der Möglichkeiten.

 

 

 

Beispiel-Buch: »simplify your life«

Wie sich die Qualiät vom eBook und der gedruckten Version unterscheidet, zeigt auch das Beispiel eines meiner Lieblingsratgeber namens »simplify your life«. Gedruckt ist das Buch mit amüsanten Illustrationen, die sich durch das Buch schlingeln. Im eBook zeigt sich die Optik jedoch lieblos und unmotivierend. Hier zwei Doppelseiten im direkten Vergleich: eBook vs. dem guten alten Buch.

 

 

 

 

 

 

Beispiel-Buch: »Studentenfutter«

Das es auch anders geht, zeigen die EBUB-Bücher (PDF-Look&Feel) im iBooks-Store. Hier ist es mögliche das komplette Layout als EBUB auszugeben. Das Buch wird somit als geschlossenes unverändertes Layout auf das Tablet geladen. Diese Möglichkeiten nutzen bereits auch viele Zeitungen und Magazine.

 

 

So viele optische Vorteile es mit sich bringt, so viele Nachteile verursacht es auch. Denn das EPUB ist eindeutig langsamer als die typische eBook-Variante. Zudem lassen sich Texte nicht vergrößern. Ein »händisches« Zommen ist zwar die Lösung, erweist sich aber manchmal als unbequem und ladeintensiv.

 

 

 

Fazit

Und somit blieben meine Leseproben auch Leseproben. Um nicht den typografischen Schmerz und die optischen Qualen erleiden zu müssen, habe ich mich vorerst dazu entschieden den eBooks keine Chance zu geben. Für Pendler, Reisende usw. mag es jedoch bereits jetzt schon Sinn zu machen, um keine umfangreiche Zeitung und schwere Bücher mitzuschleppen. Qualitativ ist das eBook bezüglich Design und Layout jedoch ein »Verbrechen«. Wie ist eure Meinung und Erfahrungen zu eBooks? Auf den Geschmack gekommen oder bereits wieder die Lust daran verloren? Wann machen eBooks Sinn und wann nicht? Was müsste eurer Meinung nach verbessert werden?

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Alles Banane?

Seit kurzer Zeit hält die Chiquita-Banane einen TV-Spot mit einer besonderen Typo für uns bereit. Mit ungewohnten Schreibweisen wie »2 x Länger Geniessen« anstatt »2 x länger genießen«, oder »Die 2 x LängerFrisch Banane« wurde ich etwas irritiert. Bei der »2 x LängerFrisch Banane« könnte man noch die Länger-frisch-Banane herauslesen. Aber »2 x Länger Geniessen«? Absicht oder Schlamperei? Oder einfach nur Banane – und macht nichts aus?

 

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Rechtschreibschwäche auch bei den »Großen«

Gestern lief ich durch die Stuttgarter Königsstraße – die Einkaufsmeile schlechthin. Überall hängen Schilder mit Reduzierungshinweisen. Galeria Kaufhof wirbt zwar nur mit einem »Sale« – fügt aber noch den in Klammern gesetzten Hinweis »reduziert« hinzu. Schließlich könnte man ja aufgrund der C&A-Kampagne »I love Sale« fast denken, es sei eine Art der Liebeserklärung.

 

Als ich dann aber an dem Store von United Colors of Benetton vorbei lief kam mir das Grauen (siehe Artikelbild oben). Kampagnen der Marke werden stets von Designern und Werbern hochgelobt – doch bei der Rechtschreibung holpert es. Nicht nur das sich ein Eszett als Kleinbuchstabe in Versal-geschriebenen Text befindet – nein, man schreibt »Schlussverkauf« erst gar nicht mit einem Eszett. Seit der Rechtschreibreform vor 15 Jahren gibt es kein »scharfes s« bei Schluss mehr. Dieser Fehler zog sich jedoch konsequent durch die komplette Ladenbeschriftung.

 

Fehler, die man eigentlich nur von kleinen Unternehmern erwartet, passieren wohl auch den »Größeren«. Auch wenn der »GROßER WEIHNACHTSCIRCUS« auf dem Plakat ein kleines Eszett besitzt – so verzeit man diesen typografischen Fauxpas eher, als Unternehmen mit großem finanziellem Background.

 

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Volksabstimmung, Du kannst so langweilig sein!

Ach, Baden-Württemberg, Du kannst sicherlich viel: Du bist fleißig, erfinderisch und vielfältig. Doch eines kannst Du nicht: Deine Bürger zur Volksabstimmung informieren und bewegen.

 

Das »Autsch« der Woche hat sich mal wieder die Volksabstimmung zum Projekt Stuttgart 21 verdient (TYPOLUTION berichtete). Mit dem Informationsblatt an alle Bürger in Baden-Württemberg wollte das Land die Bürger zur Wahl am 27. November 2011 nochmals informieren und bewegen.

 

Man entschied sich für ein gähnendes Häufchen Papier an sämtliche Haushalte. Ein gelber A5-Umschlag mit einem gelb getränkten 16-Seiter auf schönem reflektierendem Papier. Die unangenehme Haptik und das Lichtspiel auf dem Papier möge man noch als passabel hinnehmen. Eher erheiternd sind 16 Seiten »Bleiwüste«. Eine Bleiwüste nannte man damals zur Bleisatzzeit Seiten und Passagen, die ausschließlich mit Lettern/Buchstaben befüllt waren und somit nicht zum Lesen einluden.

 

Ein Überfluss an Informationen und Argumenten wurde in kleinster Schriftgröße präsentiert: Langatmig – wie der Streit selbst. Um das Auge gleich zu übermüden, nahm man für die Satzbreite die volle Breite der A5-Seite. Natürlich verständlich: 2-spaltig hätte man ja sonst den Text vielleicht noch gelesen :-) Die Typo wurde so erfreulich und spannend dazu angerichtet, dass man für das Lesen der kompletten Informationsbroschüre schätzungsweise 5 Red-Bulls benötigt.

 

Sicherlich ehrenhaft, dass das Land Baden-Württemberg nochmals sachlich und unvoreingenommen die Bürger zur »richtigen Wahl« informieren will. Doch mit 16 Seiten Garamond-Schriftmuster bewegt man wenig Bürger zum Lesen und zur Wahl selbst.

 

Liebes Land Baden-Württemberg, mit dieser Sendung hast du es geschafft, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen attraktiver erscheinen zu lassen. Bewundernswert, dass man hierfür sogar noch eine Werbeagentur beauftragt hat. Ein Satzstudio wäre sicherlich mit diesem Hauf an Buchstaben überfordert gewesen.

 

Hier ein paar »Kostproben« der typografischen schweren Kost. Ich hätte ja die ganze Broschüre fotografiert – jedoch ging nach ein paar Schüssen der Akku aus. Man nehme es der Kamera nicht übel.

 

 

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Letzte Atemzüge: Stuttgart-21-Gegner und -Befürworter

»Autsch!« ist eine neue Rubrik, indem gräusliche Gestaltungen vorgestellt werden. Der Beginn macht die neue Plakataktion um die Kündigungsgesetzt-Volksabstimmung in Baden-Württemberg.

 

Der nimmerendende Streit – mit Aussicht auf »Frieden«.

Nach nun jahrelangem Streit ist es soweit: am 27. November 2011 ist Volksabstimmung in Baden-Württemberg. Dann entscheiden die Wähler, ob das Kündigungsgesetzt in Kraft tritt oder nicht.

 

Wenn sich Zwei streiten – »hofft« der Dritte.

Drei Parteien entstanden im Streit zum Projekt 21: Die »Befürworter« (S21/Stuttgart 21), die »Gegner« (K21/Kopfbahnhof 21) und diejenigen, die irgendwann einmal eine Meinung hatten, aber aufgrund der ewigen Diskussionen nur noch auf ein Ende des Streits hoffen.

 

Die »Befürworter« hatten es in den letzten Jahren nicht leicht. Ständige Streits, laufende Diskussionen, Attackierungen und ein Schlichtungsverfahren, das trotz positivem Ende keine Lösung ergab. Die Niederlage nach 50 Jahren CDU-Führung in Baden-Württemberg setzte den letzten Dämpfer in der Geschichte des Bahnprojekts. Mit dem Regierungswechsel folgte nun auch die Volksabstimmung, indem es das Land schafft, alle Bürger nochmals erneut zu irritieren. Was zuvor ständig als »Ja zu Stuttgart 21« und »Nein zum Bahnprojekt« durch die Mengen gegröhlt wurde, wird nun inhaltlich getauscht. Denn ab sofort erhalten die »Gegner« Anspruch auf das JA, und die »Befürworter das NEIN. Hm – das benötigt Klärungsbedarf! Es geht um das Kündigungsgesetz: Wer für NEIN stimmt, stimmt für ein JA des Projekts. Wer für JA stimmt, gibt ein klares NEIN. Interessant wie schon allein der sprachliche Inhalt hier zu einer falschen Abstimmung und auch zu einem falschen Ergebnis führen kann.

 

Doch ab sofort haben beide Parteien die Möglichkeit diese Verwirrung aufzuklären – sonst wäre es ja zu einfach gewesen. Aufklärungskampagnen – unter anderem in Plakatform – sollen dem Bürger bei der Entscheidung »helfen« und zur Wahl überzeugen. Genau jetzt hat das »Autsch!« seine großen Auftritt, denn irgedetwas schien gewaltig schief zu laufen. Entweder lag es an der mangelnden Zeit oder an der Altersschwäche des Streits. Die Plakatentwürfe haben es nämlich ganz schön »versemmelt«:

 

Die Befürworter: »JA zu Stuttgart 21 – NEIN zum Kündigungsgesetz!«

 

Als hätte man es mit einem negativen NEIN nicht schon schwer genug – schließlich sagt der Mensch ja lieber »ja« als »nein«. Nein ist selten verwendet und klingt lauter und agressiver. Unterstützt wird dieses Gefühl nicht nur von einer murrigen Bildsprache (abwertender Blick und »einem den Vogel zeigen«) und Farben, die man eigentlich eher von anderen Parteien kennt, sondern auch bezüglich Sprache und Schrift, indem das negativ-klingende Nein von weiteren Negativ-Aussagen unterstützt wird. Headlines wie: »Milliarden Strafe…«, »Wut…«, »Stillstand« und »Randale« ziehen die Laune des Betrachters in die Tiefe – und somit auch seine Stimmung zum nimmernenden Streit. Der Zusatz »Wir sind doch nicht blöd!« ähnelt zudem eher einem marktschreierischen Aussage, die man eher nur von Dumpingpreis-Aktionen kennt. Immerhin hat die unruhige Typo auf dem Bild einen Schlagschatten à la InDesign-Funktion erhalten. Dafür blieb wenigstens Zeit, nachdem man die Bilder mit der Nagelschere ausschneiden musste.

 

Die Gegner: »NEIN zu Stuttgart 21 – JA zum Kündigungsgesetz!«

 

Die Gegener nutzen ihren Vorteil vom wohlklingendem JA: Es wird unterstützt von bonbonfarbenen Hintergründen und einem Mix aus Bildern. Zudem wird die Aussage mit positiv-stimmenden Wörtern wie »Schutz«, »mehr Demokratie«, »moderner Verkehr« und »Sparsamkeit« unterstützt. Bis auf die Wörter »stoppen« in der Copy und »Ausstieg« im Aktionslogo verzichtet die Gegnerpartei komplett auf eine düstere Stimmung. Ganz im Sinne »Mut zur Farbe bekennen!«

 

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Text und Aussage sein kann. Formulierung und Darstellung bzw. Unterstützung der Texte vermag über Erfolg und Misserfolg bestimmen. Die Stuttgart-21-Befürworter werden mit solch einer Aktion leider keine Freunde finden. Was letztendlich jedoch bei der Volksabstimmung passieren wird, ist fraglich. Bekannt ist jedoch, dass die Gegner des Stuttgart-21-Projekts stärker beteiligunungsinteressiert sind, als die Befürworter.

 

Dieser Schreck muss erst einmal verdaut werden. Zum Glück kann sich Baden-Württemberg am morgigen Feiertag vorerst einmal von diesem Schock erholen.

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