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Straße mit Eszett – wir vermissen dich!
Straße: Dieses Wort gehört laut DUDEN zu den Wörtern, die am öftesten falsch geschrieben werden. Obwohl das Wort ständig in unserem täglichen Gebrauch geschrieben oder gesehen wird, passiert dieses Phänomen. Aber wieso? Der Grund der falschen Schreibweise »Strasse« könnte darauf zurückzuführen sein, dass nach Einführung der Rechtschreibreform das Missverständnis auftrat, das Eszett sei verschwunden. Da aus »daß« die neue Form »dass« wurde, schien es wohl für viele so, als wolle man die Rechtschreibung so vereinfachen, indem man das Eszett komplett verbannt. Dem ist aber nicht so!
In letzter Zeit kommt mir die falsche Schreibweise »Strasse« immer öfters unter meinen Augen. Auf Straßenschilder, Autobeschriftung, Beschilderung, Landkartenangaben, Visitenkarten oder Kontaktseiten von Websites. Sogar Adressen auf Universitäten-Websites wurden falsch geschrieben. Um jedoch dessen Bildungsgrad nicht in Frage zu stellen, sah ich von einer namentlichen Nennung ab.
Um alle Missverständnisse zu eliminieren: Straße schreibt man im Deutschen weiterhin mit Eszett. Eine ganz einfache Regel lässt die Rechtschreibung prüfen: Wird ein Vokal lang gesprochen (in diesem Falle ist es das »a«), so wird ein Eszett gesetzt. Spricht man jedoch den Vokal kurz (wie das »a« beim »dass«), so verzichtet man auf das Eszett und schreibt das Wort mit Doppel-s.
Falls euch ein Straßen-Fehler unterkommen sollte, so macht ein Foto und schickt es für eine Sammlung direkt an ben@typolution.de
(Das Bild stammt aus Nürnberg. Somit ist es keine Schweizer Filiale.)
GROSS dann doch lieber klein
In den vergangenen Tagen war das »vergessene Eszett« bereits Thema bei TYPOLUTION.de. Nun gibt es noch einen Nachtrag zur Verwendung von Eszett in der Versalschreibweise. Besonders beim Wort »groß« besteht das Bedürfnis dieses in Versallettern zu schreiben: »GROSS«. Ist das jedoch die beste Lösung, gewohnte Wörter mit Eszett auf einmal mit Doppel-s zu schreiben? Das Modehaus HIRMER bietet somit »GROSSE GRÖSSEN« anstatt »große Größen«. Somit liest sich die Subline eher kurz gesprochen »kross« und »kröss«. Nur Eszett schafft es, den davorstehenden Vokal lang und korrekt auszusprechen.
Wenn das Eszett in Vergessenheit gerät
Das »Eszett« oder das »Scharfe-s« gehört zu meinen absoluten Favoriten in der Schrift und beim handschriftlichen Schreiben. Nur wenige Buchstaben können so charakteristisch gestaltet oder geschrieben werden wie das Eszett. Jedoch wird das Eszett seit der neuen Rechtschreibung missverständtlich verdrängt. Da in der Rechtschreibereform aus »daß« nun »dass« wurde, und aus »muß« die neue Schreibweise »muss« denken viele, dass das Eszett eliminiert wurde. Falsch gedacht: Es gibt noch haufenweise Wörter in der »neuen« Rechtschreibung, die das Eszett beinhalten.
Häufigster Eszett-Fehler.
Täglich wird der wohl häufigste Eszett-Fehler beim Wort »Straße« gemacht. Es wird ausschließlich mit »ß« geschrieben und keinesfalls mit Doppel-s. Ebenso Sträßchen, Straßenarbeit, Straßenfest, Straßenmusikant oder Straßenfeger. Ist man jedoch international tätig und möchte den ausländischen Partnern und Kunden kein deutsches Sonderzeichen zumuten, so ist trotzdem kein Doppel-S-Schreibweise erlaubt. Einzige Möglichkeit ist die Kürzung auf »Str.« (Beispiel: Urbanstr.). Der Stapel an Visitenkarten mit falscher Schreibweise überwiegt momentan bei mir.
Wann ist die Verdrängung von einem Eszett erlaubt?
Wird ein Wort mit scharfem-s in Versalien geschrieben, so darf dieses mit einem Doppel-s getan werden. Jedoch gibt es mittlerweile auch ein Versal-Eszett, was jedoch noch ungewohnt aussieht. Die Schweizer dürfen natürlich weiterhin ihr »ss« in allen Schreibweisen behalten.
