Category Archives: Typografie
Sinn oder Unsinn?
Sinn oder kein Sinn – Brauchbar oder unbrauchbar? Wann sind Elemente der Typografie hilfreich und manchmal auch nur nutzlos und unnötig? Oft ist man als Gestalter, Designer etc. festgefahren und macht Dinge die manchmal so gar kein Nutzen haben, aber aus Gewohnheit eben gemacht werden. Welche Erfahrung habt ihr damit? Erwischt ihr euch dabei ab und an selber oder fallen euch Dinge auf, die zwar schön zum Anschauen sind aber keinen Nutzen haben?
Seitenzahlen
Solange keine Querverweise, kein Inhaltsverzeichnis, Index oder Register besteht, machen Seitenzahlen auf Seiten eigentlich keinen Sinn, sofern sie nicht gestalterisch mit einbezogen werden. Besonders bei kleinen Broschüren (8-Seitern) oder Faltblättern sind Seitenzahlen eher nur zu Verschönerungszwecken da und dienen weniger zur Navigation durch das Werk. Wann machen Seitenzahlen Sinn, und wann keinen?
Inhaltsverzeichnis
Ist für einen 4- oder 8-Seiter wirklich ein Inhaltsverzeichnis nötig? Wann ist es von Nützen, wann nicht?
Adressen auf Anzeigen
Macht die Adresse von Unternehmen auf Anzeigen wirklich Sinn, sofern kein Shop oder Zugang für Kunden besteht? Wann ist für den Kunden die Adresse brauchbar? Oft sind Anzeigen viel zu sehr mit Text und Inhalten überladen und gar nicht mehr für den Leser erfassbar. Ist dann ein zusätzlicher Klumpen der Adresse hilfreicher als eine Webadresse je aussagen könnte? Wann reicht sie aus, wann nicht?
E-Mail-Adresse in E-Mail-Signaturen
Die Nennung der eigenen E-Mail-Adresse in der Signatur einer E-Mail ist keine Seltenheit. Doch ist dies logisch oder hilfreich für den weiteren Kontakt? Schließlich verwendet man die E-Mail-Adresse aktiv beim Versand und besitzt diese automatisch beim Empfang der E-Mail. Ist die reduzierte und kompakte Form besser als vielleicht die ausführliche mit erneuter Nennung der E-Mail-Adresse?
Nummerierungen
Ja, ich will. Zu einem die Musik hören, auf die ich mich freue, und auf das Hin- und Herspringen meiner Lieblingssongs auf der CD. Wer noch altmodisch Musik über Audio-CD hört, kennt sicherlich dieses Problem: Das Fehlen der Songnummer auf der Rückseite der CD-Hülle. Entweder man versucht sein Glück mit Klicken der Vor- und Rückwärtstaste oder man versucht die Songs durchzuzählen, was beim Autofahren (ich spreche aus eigener Erfahrung) böse ausgehen kann. Persönlich helfe ich mir mit Post-its weiter. Was geht an diesem Beispiel vor? Nutzen oder Optik?
Ligaturen
Ligaturen sind nicht nur schön, sondern auch funktional. Damit keine Leerräume oder Überschneidungen bei diversen Buchstabenpaare entstehen sind Ligaturen sehr praktisch und merzen das ein oder andere typografische Übel aus. Dazu später aber mehr.
Das Comeback der Ligaturen
Schon damals waren in der Handschrift und im Bleisatz die Ligaturen ein besonderes stilistisches und praktisches Mittel zur Verschönerung des Schriftbilds. Zwar werden heutzutage Ligaturen mittlerweile wieder verstärkt eingesetzt, jedoch entweder nicht korrekt (nach den Regeln der Ligaturen-Setzung) oder nur selten – aus Angst die besagten Regeln ungewollt zu brechen.
Ligaturen-Vielfalt
Das Wort »Ligatur« besitzt selbst kein Ligaturen-Paar – denn die typischen bzw. klassischen Ligaturen sind: »ff«, »fi«, »fl«, »ft« oder auch in der Großschreibung »AE« etc.
Je nach Schriftart und -schnitt sind unterschiedlich viele Ligaturen enthalten – im schlimmsten Falle auch gar keine. Wie stark Ligaturen so manches Schriftbild verschönern kann ist im folgenden Beispiel sichtbar:
Zusätzlich zu den »klassischen« Ligaturen gibt es auch die schmückende Ligaturen, die je nach Schriftart an Mengen von Ligaturvarianten enthalten kann:
Ligatur-Regeln
Oft werden Ligaturen nicht verwendet, da sich viele an die komplexe Regeln der Ligaturenverwendung nicht herantrauen. Doch so komplex sind die gar nicht. Der Satz von Ligaturen ist relativ einfach, sofern man ein paar grundlegende Regeln befolgt, die Sinn machen. Natürlich gibt es auch noch konsequentere Regeln, die aber sich jedoch mit Sonderfällen etc. beschäftigen.
Erste Grundregel: Zusammengesetzte Wörter
Bei zusammengesetzten Wörter wird keine Ligatur über die Verbindung hinweg gesetzt. Innerhalb des Wortes selbst darf wiederrum eine Ligatur verwendet werden (siehe Beispiel: Schifffahrt). Sinn dieser Regel ist, dass der Lesefluss nicht verfälscht wird. Denn durch das Zusammenrücken zweier Buchstaben wird die Wortkombination an einer unglücklichen Stelle verbunden und würde das Lesen erschweren.
Zweite Grundregel: Beugungsendungen, End- und Nachsilben
Zwischen Beugungsendungen (-te, -ten) und Endsilben (-lein, -lich, -los) und dem restlichen Wortteil werden ebenfalls keine Ligaturen gesetzt. Wiederum werden bei i-beginnenden Nachsilben (-ig, -in, -ich, -isch) eine Ligatur gesetzt.
Erste stilistische Regel: Automatische Ligaturen-Funktion kontrollieren
Vertraue keinem Satzprogramm mit automatischer Ligatur-Setzung. InDesign oder andere Satzprogramme sind nicht immer schlau genug, um Ligaturen korrekt zu setzen, wie folgendes Beispiel beweist. Denn »Hoflieferant« ist ein zusammengesetztes Wort und wird nicht mit einer Ligatur gesetzt. InDesign ist jedoch diese Wortkombination nicht bekannt und setzt automatisch eine Ligatur. Der Designer vertraute in diesem Falle dem Programm und somit war der Fehler schon in der Produktion. Halb so wild: das Unglück entstand nur auf einer 5-Meter-breiten Schaufensterbeschriftung.
Zweite stilistische Grundregel: Gesperrte Typo
Bei einem stark gesperrtem Satz würde eine Ligatur unschön aussehen – darum lässt man sie in diesem Falle auch verschwinden.
Weitere Ligaturen
Außer den genannten Ligaturen gibt es auch Ligaturen, die gar nicht mehr als solche erkannt werden. Da hätten wir zu einem das Eszett oder das kaufmännische Und-Zeichen (das für »et« und »Et« steht). Oder auch in Vergessenheit geratene Prozentzeichen – stehend für das Kürzel cto (Abkürzung des italienischen »cento« – zu deutsch: hundert). Die obere Null war ursprünglich das »c«, der Schrägstrich das »t« und die untenstehende Null das »o«.
Visitenkarten-Typografie
Manchmal zeitintensiver und aufwändiger als manch Kampagne oder Unternehmensbroschüre: die Visitenkarte. Beim Kunden heikel und mit oberster Priorität behandelt, werden die wenigen Quadratmillimeter zur harten Arbeit vieler Grafiker. Dabei sollten die kleinen Kärtchen gar nicht so viele Sorgen machen.
Hier aber ein paar Tipps, was man bei der Typografie auf Visitenkarten beachten sollte, und wie man diese entschlackt:
Normen, die überdacht werden sollten
Mit so manchen Normen erschweren wir uns den Alltag und auch die Arbeit beim Gestalten. Normen machen nicht unbedingt etwas schöner, sondern grenzen in den Freiheiten des Designs oft ein.
Der neueste Trend sind Internationalisierungen von Nummern und Adressen. Die +49 vor jeder Vorwahl ist mittlerweile fast nicht mehr wegzudenken. Doch hilft sie dem Kunden bzw. dem Gegenüber? Meistens nicht. Sie verwirrt eigentlich nur und bringt mit dem Weglassen der ersten Null bei Vorwahlen oder der Klammern der ersten Null viele zum Wahlchaos. Doch wieso diese Verwirrung stiften? Die +49 ist die Ländervorwahl für Deutschland. Sie hilft dabei, dass Kunden aus dem Ausland auch richtig in Deutschland ankommen. Doch wann macht es Sinn? Für Unternehmen die international tätig sind ist dieser Zusatz absolut berechtigt. Für ausschließlich national tätige Unternehmen oder die es voraussichtlich bleiben, sollte auf die +49 verzichtet werden. Nur weil es eine Norm ist, wird sie noch lange nicht zur Pflicht. Dasselbe gilt für den Zusatz »D« vor der Postleitzahl, sowie der Zusatz »Germany« oder »Deutschland«.
Größeres Streitthema – auch unter den Designer und Typografen selbst – ist die Gliederung von Telefonnummern, die rein typografisch korrekt von hinten nach vorne in Zweierschritten mit einem kleinen Abstand gegliedert/getrennt werden sollen. Mir persönlich gefällt es nicht – und wenn dann auch nur in logischer Form. Sprich anstatt »0800 3 13 10« würde ich eher »0800 31 31 0« setzen. Ob man die Zweierschritt-Regel nutzt, sei jedem selbst überlassen. Ich würde sie nur nutzen, wenn Sie auch Sinn macht bzw. wenn sich keine schöne Ziffernpaare formen lassen. Zudem sollte der Leerabstand groß genug und »gewollt« aussehen, da sonst eine Rufnummer »wackeln« könnte.
Namen korrekt behandeln
Das wohl wichtigste auf Visitenkarten sind auch die Namen: Was eine E-Mail-Adresse bedauerlich nicht immer kann sollte jedoch im Satz für den Druck immer möglich sein – nämlich die korrekte Schreibweise des Namens. Damit sind nicht Rechtschreibfehler gemeint, sondern eher das Problem mit Umlauten und dem Eszett. Liegt der Fall vor oder könnte der Fall bestehen, dass eine Person mit einem Eszett im Namen beschäftigt sein sollte/könnte, so sollte bei der Gestaltung darauf geachtet werden, dass nicht unbedingt eine Versal-Typo verwendet wird. Denn aus dem Nachnamen »Schüßler« sollte dann nicht unbedingt »Schüssler« werden. Der Fall ist ja bereits bekannt. Zu einem gefällt es dem Visitenkartenbesitzer selbst – und dem Empfänger nicht – wenn Namen verfälscht werden. Bei E-Mail-Adressen ist dies ja leider noch der Fall, wobei mittlerweile auch Domain-Namen mit Umlauten möglich sind.
Hoch oder quer
Visitenkarte hoch oder quer? Eine Frage über die Anfangs bei der Gestaltung ewig überlegt wird. Doch diese Entscheidung kann jedoch relativ schnell beantwortet werden. Denn nur wenn es die Namenslängen der Angestellten und die manchmal gigantisch-lange E-Mail-Adressen zulassen sollte auf ein Hochformat gesetzt werden. In allen anderen Fällen ist das Querformat die wohl sichere Variante. Abstrakte Gestaltungen lassen natürlich auch andere Entscheidungen/Möglichkeiten zu.
Weniger ist mehr
Wie schon erwähnt sind Visitenkarten gar nicht so groß. Zwar kann man beide Seiten nutzen, doch ob man das wirklich will bzw. soll? Auf diesem kleinen Raum ist es somit besser, alles so schlicht und einfach wie möglich zu halten. Reduzierung auf die wichtigsten Inhalte sollten geprüft werden: Doppelungen in Telefon- und E-Mail-Adressen (von Kartengeber und Unternehmen) verwirren eher, anstatt sie helfen.
Weiterer Tipp zum Entfrachten von Visitenkarten: das Weglassen von logischen bzw. ersichtlichen Rubriken. Somit muss vor einer E-Mail-Adresse kein Zusatz »E-Mail« und vor einer Webadresse nicht mehr »Web« oder »Website« stehen, da diese durch das @-Zeichen oder das www-Kürzel für jeden als dieses ersichtlich sind.
Der Feintuning-Tabulator
Stehen »Telefon« und »Telefax« oder »Fon« und »Fax« untereinander, so sind die Wortlängen fast gleich – aber nur fast. Die darauffolgenden Nummern stehen somit ebenso nur fast untereinander. Wichtig ist es hier, einfach nochmals einen Tabulator zu setzen, damit die Ziffern schön untereinander stehen. Bei »Telefon« und »Fax« ist dies natürlich nicht zwingend, da es hier gewollt versetzt steht.
Natürlich gibt es sicherlich noch jede Menge weitere Aspekte, die bei der Gestaltung von Visitenkarten – in typografischer Hinsicht – beachtet werden sollten. Auch sind die hier erwähnten Punkte kein Zwang – sondern nur Vorschläge. Wer Erweiterungen der Liste parat hat, kann diese gerne in der Kommentar-Funktion äußern.
Preistypografie: Punkt oder Komma?
Gestaltet man für die Werbung, wurde man zumindest schon einmal mit der Preisoptik konfrontiert. Viele unterschiedliche Varianten beglücken uns täglich in Prospekten, TV-Spots oder Plakaten. Manche Preisoptiken sind sogar so einprägsam, dass sie ohne Unternehmenslogo identifiziert werden können. Bestes Beispiel hierfür ist MediaMarkt, der aufgrund seiner Dominanz in der Werbung die Preise gut lernen und wieder erkennen lässt.
Bedeutend für die Preisoptik sind nicht nur die vielen Outlines um die Ziffern herum, sondern auch wie der Rest hinter dem Euro-Preis gestaltet ist.
Große Preise – kleine Preise
Große Preise besitzen meist keine Stellen hinter dem Dezimaltrennzeichen, da sie sonst viel zu wuchtig und groß aussehen würden. Der Preis 1399,95 € besitzt mehr Ziffern und sieht somit natürlich optisch nach mehr aus, als 1399 €. Kleine Preise wiederum sind bekannt für die anscheinend »knapp« kalkulierte Ware: 9,99 € geht somit lieber an den Kunden, als 10 €.
Da in der »grafischen« Preisoptik kaum noch das Eurozeichen verwendet wird, kommt nach dem Dezimaltrennzeichen der Halbgeviertstrich zum Einsatz – denn eine alleinstehende 10 würde ja nicht als Preis erkannt werden. Dieser Halbgeviertstrich ersetzt die zwei eigentlichen Nullen: aus 10,00 wird somit 10,– und wirkt deutlich »günstiger« als die Version mit der Doppelnull. Die Umkehrvariante mit einem Nuller-Euro ist jedoch seit langer Zeit nicht mehr gebräuchlich. Was früher mit –,99 DM gekennzeichnet wurde, wird heute eher mit 0,99 € bestückt. Die Ähnlichkeit mit einem vollen Eurowert wäre zu hoch.
Zwischen den Werten: Punkt oder Komma?
Wie sich die Ziffern vor und hinter dem Dezimaltrennzeichen stellen ist nun durchleuchtet. Doch wie sieht es dazwischen aus? Bewusst wählte ich bis an dieser Stelle das Wort »(Dezimal)trennzeichen«, da die Anbieter entweder zum Dezimalpunkt oder Dezimalkomma greifen. Aus mathematischer Sicht wäre die Komma-Variante die bessere und logischere Variante, denn ein Trennpunkt lässt höhere Werte nicht mehr gliedern: Somit wären 12.999,– € bei Verwendung des Dezimalpunkts nicht möglich (12.999.–). Das würde ja sonst eher nach einem Tankstellenpreis erinnern.
Interessanterweise unterscheiden sich die Meinungen bei der Punkt- oder Kommafrage vor allem Schwester-, Tochter- oder Partnerunternehmen: Aldi Süd freundelt eher mit dem Komma, wobei Aldi Nord den Punkt als schönere Lösung empfand. Media Markt hielt ebenso den Punkt für die eigene Preisoptik harmonischer, gegensätzlich die Schwester Saturn das Komma für die eigenen Preise nutzt. Ein höheres »für« oder »gegen« Punkt und Komma gibt es nicht wirklich, wenn man einen Blick in die Prospekte aus dem Briefkasten schaut.
Komma im Preis: Aldi Süd, toom Baumarkt, H&M, OTTO, GRAVIS, Thalia, OBI, McDonalds, Subway Sandwiches, Saturn, T-Com, Vodafone, kik Textil-Diskont, real
Punkt im Preis: Aldi Nord, REWE, Penny Markt, Netto Marken-Discount, toom Markt, Kaufland, IKEA, Media Markt, O2, Weltbild
Ohne alles kommt übrigens Burger King, Adler Mode oder Charles Vögele (optional mit Punkt) aus. Hier nutzt man einfach nur das Hochstellungsverfahren und geht jeglicher Punkt- oder Komma-Diskussion aus dem Weg.
Ein kompakter Preis ist ein harmonischer Preis
Umso weniger zerrissen ein Preis gestaltet wird, umso angenehmer und günstiger wirkt er dadurch. Das ist auch der Grund, wieso Cent-Beträge hochgestellt und über das Komma oder den Punkt gesetzt werden. In diesem Moment der Harmonie kommt auch wieder die Frage auf, ob man sich für den Punkt oder das Komma entscheidet. Ein Punkt wirkt natürlich angenehmer, da er nicht über die Schriftlinie nach unten rutscht – aber ein Komma vielleicht gewohnter.
Wie bereits erwähnt wird die Doppelnull im Centbetrag meistens oder fast immer durch einen Querstrich ersetzt. Rein typografisch korrekt wäre hier der Halbgeviertstrich – in Tabellen auch der Geviertstrich. Doch dieser ist einfach viel zu wenig kompakt und lässt zu viel Weißraum im hinteren Teil der Preisoptik entstehen. Das ist der Grund, weshalb Gestalter auf die kürzere Variante (Minuszeichen) zurückgreifen. Zusätzlich noch leicht über Komma oder Punkt schieben und fertig ist das »Meisterwerk«. Das Unternehmen real,- hat es sogar geschafft, seinen eigenen Namen in die Preisoptik zu übertragen: Logo und Preisoptik sind fast identisch und werden somit erkannt und mit dem »Kaufladen« in Verbindung gebracht. In diesem Fall war auch das Komma die bessere Lösung, um als Preis im Logo identifiziert zu werden.
Hürden bei der Web-Typografie
InDesign, Illustrator, XPress oder sogar Photoshop ermöglichen alle Grundregeln und optische Feinheiten der Typografie. Doch diese Programme unterstützen in erster Linie Projekte/Designs/Layouts für den Druck. Zwar lassen sich aus den Programmen auch Webgrafiken erstellen, die jedoch aus Gründen des Content-Managements oder der Suchmaschinenoptimierung nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen. Text sollte im Web nämlich editierbar, erfassbar und optisch gestochen scharf bleiben. Doch aufgrund unterschiedlicher Betriebssystemen, Browser und Devices müssen so einige Hürden bei der Web-Typografie aufgenommen werden. Welche die größten Sorgenbereiche sind zeigen folgende Tipps und Warnungen.
Die Lösung Webfont.
Wie schon mehrmals berichtet ermöglicht der Webfont, die gewünschte Schrift auch im Web zu benützen, ohne dabei eine Webgrafik erstellen zu müssen. Das Web kann eigentlich nur Systemschriften verarbeiten. Jedoch ist durch das neue Format Webfont eine neue Ära der Webtypografie angebrochen. Vorteile sind nicht nur die optische Aufwertung, sondern auch die Möglichkeiten über ein CMS den Text später zu ändern oder zu vervollständigen. Der Text bleibt jederzeit editierbar und kann zudem noch von Suchmaschinen erfasst werden. Müssen somit nachträgliche Änderungen textlicher Natur an der Website vorgenommen werden, so lässt sich dies bei Nutzung eines Webfonts auch ohne Programmierer tun. Außerdem ist der Vorteile die Schärfe! Dieser Vorteil wird oft vergessen zu erwähnen, jedoch bei den Devices Tablet und Smartphone immer wichtiger. Denn bei einem Zoom vergrößert sich nicht die Pixel der Schrift, sondern die Schrift selbst. Somit werden Bilder pixeliger, jedoch der Webfont gestochen scharf.
Achtung Silbentrennung!
Das leidige Thema Silbentrennung: Texte im Web werden nicht automatisch getrennt. Da kein Wörterbuch hinterlegt ist, weiß der Browser (außer Safari, Firefox) somit nicht, welche Wörter er trennen darf/soll, geschweige wie er sie überhaupt trennen könnte. Im Gegensatz zu Layoutprogrammen muss das Satzbild ohne Trennungen auskommen. Zwar lassen sich manuell gesetzte Trennungsstriche einsetzen, jedoch bleiben die bei der Suchmaschinenerfassung erhalten, und ebenso wenn Browser-bedingt der Umbruch anders dargestellt wird. Somit sollten manuell gesetzte Trennstriche vermieden werden. Dies ist somit auch der Grund, weshalb Blocksatz selten auf Websites zu sehen ist.
Geschütztes Leerzeichen auch beim HTML.

Auch der manuelle Zeilenumbruch (ohne Trennung) kann im Web gefährlich werden. Da jeder Browser mal gerne macht, was er will, könnten ungewollte und zusätzliche Umbrüche entstehen. Doch was tun wenn in einem Text »25 kg« am Zeilenende nicht getrennt werden soll. In diesem Fall würde man bei einem Print-Layout vor 25 einen manuellen Zeilenumbruch setzen. Im Web ist dies jedoch – wie erwähnt – nicht empfehlenswert. Durch den kleinen Trick des »geschützten Leerzeichens« können Zusammenhänge allerdings bestehen bleiben. Man setzt diesen HTML-Wert einfach zwischen »25« und »kg« und das Textpaar bleibt zusammen bestehen.
OpenType-Funktionen mit lückenhafter Unterstützung.
Ligaturen, alternative Zeichen etc. gehören zu jedem typografischen Traum eines Gestalters. Naja, jedoch nur im Printbereich. Zwar unterstützt Firefox (seit Version 4) und seit kurzem auch der Internet Explorer die OpenType-Funktionen, jedoch sollte man sich auf dieses Tool nicht verlassen. Denn durch den lückenhaften Browser-Support wird nicht in jedem Browser und jeder Browserversion dieses optische Schmankerl dargestellt.
Deutsche An- und Abführungen sind tatsächlich
auch fürs Web darstellbar.

Diese Headline sollte ein Seitenhieb an so manches journalistisches Webportal sein: Denn SPIEGEL ONLINE, stern.de oder WELT ONLINE sind deutsche Anführungszeichen komischerweise im Web auf einmal fremd. Konsequent verwenden alle Portale die seltsamen Quote- bzw. Zollzeichen. Dabei kann in jedem CMS oder HTML-Programm mit einem gewohnten Tastengriff die An- und Abführungen verwendet werden. Das Web kann somit tatstächlich deutsche Typografie, liebe Journalisten. Der Web-Code sieht jedoch wirklich seltsam aus: Aber der Texter muss nur den üblichen und gewohnten Tastengriff für An- und Abführungen verwenden, den er sowieso schon in seinen Layoutprogrammen nutzt.
Habt ihr noch mehr Fehlerquellen bezüglich Webtypografie parat – oder sogar die entsprechenden Lösungen? Dann postet einfach euer Wissen zu diesem Artikel.
Schrift erklärt
Serife, Punze, Mittellänge und Gemeine. Nur wenige beschreibende Begriffe von Schriftarten sind bekannt. Um Schrift jedoch besser zu beurteilen oder präsentieren zu können, werden einzelne Teile von Buchstaben mit Fachbegriffen bezeichnet. Die wichtigsten Begriffe werden hiermit kurz erklärt.
Anatomie

Grundbezeichnungen

Groß- und Kleinbuchstaben

Höhenangaben

Höhe, Breite, Größe
Typolution. Der Namensvetter. Das Video.
Der Grafiker Olivier Beaudoin stellte ein Video namens »Typolution« online. Mit untermalter Musik zeigen Letter und Ziffern den Wandel der Zeit und bereits verursachte Probleme und Möglichkeiten unserer Zeit. Nur eine Frage bleibt offen: Wie geht es weiter?
Schöner unterstreichen
Das Unterstreichen ist eine Auszeichnungsart um wichtige oder zu betonende Textstellen hervorzuheben. Neben »fett« oder »kursiv« gehört diese Form im Büro-Alltag zu einer der meist verwendeten Auszeichnungsformen. Grafiker und Designbewusste greifen jedoch nur ungern zu dieser Linierung. Das hat auch seinen Grund: Nutzt man nämlich die vorgegebene Funktion des Programms aus Word, InDesign, Quark etc. so sitzt die Unterstreichung unangenehm nah am Wort. Zudem achtet die Unterstreichung auch nicht auf die Harmonie zur Schriftart und Schriftstärke. Verwendet man zudem auch noch die Kleinschreibung, so werden Buchstaben mit Unterlängen, wie »j«, »g«, »p«, »q« und »y«, durchgestrichen.
Drei Ansätze für schöneres unterstreichen.
1. Linienstärke der Unterstreichung sollte harmonisch zur Schriftart und Schriftschnitt sein.
2. Der Abstand zwischen Unterstreichung und Schriftlinie sollte genügend Abstand haben.
3. Buchstaben mit Unterlängen sollten möglichst nicht »durchgestrichen« werden.
Diese Ansätze sollten natürlich nur angewendet werden, sofern es anders nicht aus gestalterischen Gründen erwünscht ist.
Die Lösungen in der Anwendung.
Entweder zieht man sich in Layouts eine manuelle Linie (was aufgrund des Aufwandes nur bei Headlines Sinn macht) oder man ändert im Layout- oder Designprogramm – falls Funktion vorhanden – die Einstellungen nach seinen Wünschen. Das ist zum Beispiel beim Markführer »InDesign« möglich. Hier lassen sich Stärke, Farbe, Art und Versatz der Linie einstellen und der Schrift zuweisen.
Grad und Celsius
Das Grad-Zeichen ist ein gebräuchliches Sonderzeichen, das sogar eine eigene Belegung auf der Tastatur wert war. Das Grad-Zeichen ° ist somit keine hochgestellte Null oder ein hochgestelltes O. Das ° ersetzt das Wort Grad, sprich 23° Celsius. Das Wort »Celsius« kann ebenso noch mit dem Buchstaben »C« verkürzt werden: 23 °C. Und hier haben wir auch schon die erste Fehlerquelle in der Typografie! Wird das Wort »Celsius« nicht mit einem »C« verkürzt so steht das Grad-Zeichen direkt an der Ziffer. Wird jedoch die Angabe »Celsius« verkürzt, steht das Grad-Zeichen direkt am »C«.
Muss Grad und Celsius gekoppelt werden, so wird anstatt des Wortzwischenraums ein Koppelstrich gesetzt. Da bei 23° kein Leerzeichen steht, wird erst zwischen ° und nachfolgendem Wort gekoppelt: 23°-Sommer. Bei 23 °C wird jedoch nach der 23 ein Bindestrich gesetzt: 23-°C-Sommer. Da dies jedoch etwas seltsam ausschaut, kann man optional auch auf die volle Schreibweise zurückkehren: 23-Grad-Sommer.
Horizontale Striche – kurz oder lang?
Es gibt vertikale, leicht diagonale und horizontale Strichzeichen im Satz. Vertikale Striche sehen so aus: | und diagonale so: /. Zu den horizontalen Strichen gehören das Gleichzeichen, der Unterstrich, der kurze Strich sowie der Halbgeviert- und Geviertstrich. Meist gebraucht werden wohl die Kurz- und Halbgeviertstriche, die oftmals gern falsch gesetzt werden. Kurze Striche werden mit dem herkömmlichen Bindestrich auf der Tastatur gesetzt. Die Kombination der Tasten »Alt« und »kurzem Strich« ergeben den längeren Halbgeviertstrich. Wann welche Variante eingesetzt wird zeigen diese Regeln:
Kurz: Trennstrich
Der Trennstrich – auch Divis genannt – kommt dann zum Einsatz, wenn ein Wort getrennt werden muss. Das wäre, falls ein Wort nicht mehr in die Zeile passen sollte. Praktischerweise werden die Striche nach den Silbentrennregeln oftmals vom Programm selbst getrennt.
Kurz: Koppelstrich
Möchte man mindestens zwei »fremde« Wörter in Verbindung bringen, so wird dieses gekoppelt. Für die Koppelung verwendet man ebenfalls den kurzen Strich. Rechtschreib-Tipp: Wird mindestens ein Wortpaar in einer längeren Reihe verbunden, so muss die ganze Reihe durchgekoppelt werden. Sprich aus »St. Paulus-Kirche« wird »St.-Paulus-Kirche«.
Kurz: Bindestrich
Bindestriche fungieren entweder als Kopplungsstrich oder Ergänzungsbindestrich. Anstatt »Typoblog und Schriftenblog« heißt es somit nur noch »Typo- und Schriftenblog«. Man erspart sich dadurch einen Wiederholungsfehler.
Lang: Spiegelstrich
Spiegelstriche finden sich als Aufzählungspunkte wieder.
Lang: Bis-Strich
Ein Bis-Strich ist das Bindeglied zwischen zwei Zeitangaben. Damit sind Jahreszahlen als auch Uhrzeiten gemeint: 1983–heute und 14:30–19:45 Uhr.
Lang: Streckenstrich
Eine Strecke wird nicht nur durch Kilometerangaben definiert, sondern auch oftmals durch Angabe zweier Orte. Der lange Streckenstrich kennzeichnet dies, um nicht als Koppel-Wort missverstanden zu werden. Stuttgart-Aalen würde nämlich mit einem kurzen Strich gekoppelt und wie ein Ortsteil von Stuttgart klingen. Stuttgart–Aalen verdeutlicht mit einem Halbgeviertstrich wiederum die Strecke zweier Ortschaften.
Lang: Gedankenstrich
Ein Gedankenstrich lässt Raum und Platz für Gedanken. Dieser Gedanke wird mit einem langen Halbgeviertstrich gesetzt.
Lang: Auslassungsstrich
Auslassungsstriche werden besonders bei Geldangaben verwendet. Was damals noch oft als Zensierungsstrich verwendet wurde (»So eine Sch–!«) dient er heute fast nur noch für Wertangaben. Wird zum Beispiel der Cent-Bereich weggelassen, heißt es anstatt 1,00 EUR nur noch 1,– EUR. Dasselbe gilt auch hier: –,99 EUR ensptrich somit 0,99 EUR.
Lang: Minuszeichen
Bei mathematischen Rechnungen oder bei Angaben im Minusbereich wird ein langer Strich gesetzt.
Kerning
Das Kerning sollte bei allen Strichvariationen nicht außer Acht gelassen werden. Besonders der Halbgeviertstrich eckt gerne mal an und verlangt nach mehr Raum. Die Beispiele auf dieser Seite zeigen eine gute Richtung, wie das Kerning eingesetzt werden sollte/könnte.
Ein Hurenkind ist bei Typografen ungern gesehen
Viele mögen sich nun vielleicht fragen, was nun mit diesem Blog passiert ist, um solche Ausdrücke zu nutzen. Jedoch sind diese Begriffe für sehr viele Layouter, Designer und Typografen bekannte Bezeichnungen für die Satzarbeit. Mittlerweile wird jedoch für »Schusterjunge« das wohler klingende Wort »Waisenkind« eingesetzt. Ebenso für »Hurekind« (auch kurz »Huki« genannt) wird nun vermehrt »Witwe« als Bezeichnung verwendet.
Beide Bezeichnungen stehen für Verbote in der Satztechnik. Wobei ein »Hurenkind« gar nicht erlaubt ist und ein »Schusterjunge« durchaus mal in Notsituationen vorkommen darf. Die Inhalte der Verbote folgen aber jetzt.
Wie InDesign uns mit Typografie ärgern will
Für die meisten Designer ist »InDesign« ein wichtiges Tool zum Umsetzen eigener Layouts. Jedoch hat Adobe in den letzten Jahren die Weiterentwicklung von »InDesign« etwas vernachlässigt: Bugs werden in neuere Versionen übertragen und die langen Wunschlisten der User ignoriert. Hier ein paar Auszüge, womit »InDesign« uns erfahrene User oder Neulinge bezüglich der Typografie ärgern möchte.
Bruchsicher
Vor einigen Tagen erschien hier an dieser Stelle ein Artikel über hoch- und tiefgestellte Ziffern, dessen Positionierung auch für manuell erstellte Brüche eingesetzt werden kann. Gut ausgebaute OpenType-Fonts besitzen sogar Nenner- und Zählerziffern in der harmonischen Proportion und perfekten Position. Falls – wie eben erwähnt – die vorgefertigen Brüche im Zeichensatz nicht ausreichen müssen diese selbst erstellt werden.
Für den eigenen Bausatz wird oft der Schrägstrich / herangezogen. Dieser ist jedoch »eigentlich« nicht für den Bruchsatz geeignet. Jedoch wird es trotzalledem wie das »x« für das Mal-Zeichen oder das Minus- und Kuppelzeichen für einen Gedankenstrich »missbraucht«. Viele Schriften besitzen mittlerweile standardmäßig den korrekten Bruchstrich, dessen Winkel schräger steht, als vom herkömmlichen Schrägstrich selbst. Zusammen mit den vorhanden Bruchziffern ergibt sich das perfekte Satzbild für Bruchziffern.
Endlich »mal« richtig, bitte
Es gehört wohl zu den meist gemachten Fehlern in der Typografie: Das »Mal«- bzw. »Multiplikations«-Zeichen. Vielleicht aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit wird für das »Mal«-Zeichen das kleine »x« aus dem Alphabet genommen. Das sollte nach diesem Artikel nie wieder passieren – niemals. Das »Mal«-Sonderzeichen besitzt in seiner Form ausschließlich gerade Querstriche, wobei das kleine »x« bei einer Antiqua-Schrift Serifen aufweißt und bei einem Grotesk-Font keine korrekte Stellung der Schrägstriche besitzt.
Das korrekte »Multiplaktions«-Zeichen gibt es an folgenden Stellen: Entweder im Zeichensatz selbst, im Expert-Zeichensatz oder in einem Sonderzeichen-Font mit unterschiedlichen mathematischen Zeichen. Wird das Sonderzeichen aus der selben Schrift verwendet, ist dieses generell bestens auf die Schrift ausgerichtet. Bei einem speziellen »fremden« Sonderzeichensatz muss das »Mal« wiederrum oft in Größe/Skalierung angepasst werden.
Aktuelle Problematiken sind jedoch noch Websites, Datenbanken oder der E-Mail-Verkehr. Dort ist es nur in Sonderfällen möglich, das korrekte »Mal«-Zeichen zu verwenden.
Gassen meiden
Die »Gassenbildung«: Ein Satzproblem das man oft bekämpfen muss. Gassen sind Stellen, an der sich aufgrund von Zeichenabständen bei Mehrzeilern größere Leerräume bilden. Das stört zu einem beim Lesen, als auch beim optischen Eindruck eines Satzbildes.
»Gassen« können bei ungünstigem Wortverlauf im Flatter- und Blocksatz entstehen. Besonders bei engem Zeilenabstand oder Blocksatz mit großen Löchern besteht die Gefahr der »Gassenbildung«.
Einzige Lösungen sind die Wortabstand-Einstellungen oder Neuumbruch der Zeilen durch Unterschneidung oder Worttrennung.





































